Wohnhaus in Melzow

2016

Adresse:
Meistereck
17291 Gramzow, Ortsteil Melzow

Bauherr: privat

Mitarbeiter: Willi Neuer

Planungsbeginn: 2016

Baubeginn: September 2016

Fertigstellung: Dezember 2016

NF: 81 m2

BRI: 428 m3

Es soll ein richtiges Haus werden in Melzow in der Uckermark, gelegen zwischen dem weiten Oberuckersee und der Autobahn, 60 km von Stettin entfernt und 100 km von Berlin Mitte.

Da das Budget begrenzt ist, denken die Bauherren zuerst an ein Fertighaus. Über gemeinsame Freunde kommt dann aber der Kontakt mit Antje Freiesleben von Modersohn & Freiesleben Architekten zustande und das Ergebnis der Gespräche ist der Gedanke durch Konzentration auf das Wesentliche und Auslassen an entscheidender Stelle einen architektonischen Mehrwert zum gleichen Preis zu erhalten. 

Das Raumprogramm des Fertighauses wird, da zweckmäßig und den Anforderungen entsprechend, beibehalten. Die Umsetzung aber, schnörkellos und etwas unkonventioneller als es die Konventionen für den Fertighausbau nahelegen, liefern bereits für jeden Raum im Haus ein entscheidendes bisschen Extrafläche ab.

Und mit der Fläche ist es noch nicht getan: der Wohnraum mit der Küche, der die Hälfte des Hauses einnimmt ist in seiner Mitte, am First, fast fünf Meter hoch und die Decke senkt sich erst an der tiefsten Stelle auf die üblichen 2,60 m. Das ist dann schon mehr als ein kleiner Unterschied. Es ist ein alltägliches Fest des Raumes und ein Akt des Widerstandes gegen die Verzwergung der Lebensverhältnisse.

Die Schlafräume erhalten ein eigenes, geneigtes Dach, fast wie einen Himmel und über den Bädern befindet sich noch eine Arbeitsempore mit weitem Blick in die Landschaft, die in keinem Raumprogramm vorgesehen war, ein Geschenk der Geometrie.

Soviel Ereignis auf bescheidenem Raum und mit begrenzten Mitteln hat einen Preis und eine Bedingung. Die Bauherren müssen auf die sonst übliche Verkleidung der Innenwände verzichten und die Holztafeln der Wand- und Deckenkonstruktion sind sichtbar geblieben. Das übliche glatte Weiß der gespachtelten Gipskartonwände muss entfallen.

Aber auch die vermeintliche Sparmaßnahme erweist sich als Gewinn, die moderne Holzkonstruktion selber wird zum Ereignis und zum Wohnort. Schein und Sein des Hauses kommen zur Deckung.

Um den großen, hohen, stützenfreien Wohnraum statisch zu ermöglichen und architektonisch zu artikulieren ist aber noch ein zentraler Luxus notwendig: zwei zentrale Sichtbetonpfeiler tragen die Pfetten, die das Dach tragen. Diese Pfeiler bilden das Zentrum des Hauses und verbinden die Konstruktion ganz real mit den vier Fundamentbalken aus Stahlbeton, die die Holzkonstruktion über dem Boden der Uckermark halten.

Die zwei Pfeiler akzentuieren den Dualismus von Massenbau und Gliederbau, bei aller modernen Ambiguität und verorten das Haus in der Architekturgeschichte. Sie verweisen auf Kazuo Shinohara und Gottfried Semper und verleihen dem alltäglichen Gebrauch das notwendige Gewicht.

 Es ist ein kleines Ferienhaus in der Uckermark und von außen ist es mit rotem Blech verkleidet. Die Wände sind mit rotem Blech verkleidet und das Dach ist mit rotem Blech verkleidet. Es gibt in der Architektur der letzten Jahre eine Mode, die das Dach mit der Wand verschmilzt, um das Haus als autonomes Objekt erscheinen zu lassen. Darum geht es hier nicht. Es gibt einen Dachüberstand und sichtbare Sparren, die Wand ist nicht das Dach und das Haus ist ein Haus, fast konventionell und ganz zeitgenössisch.

Das Blech ist ein günstiges Material. Es integriert das Haus in den ländlichen Kontext ohne sich anzubiedern. Ein federleichter Gang über den Schwebebalken.